AFP: Das Straßburger Unternehmen HYPNOVR bringt Virtual-Reality-Brillen in die OP-Säle

AFP: Das Straßburger Unternehmen HYPNOVR bringt Virtual-Reality-Brillen in die OP-Säle

Schutzhandschuhe, Skalpell, Schere … und für die Patienten Virtual-Reality-Brillen! Auf Anregung des Straßburger Start-ups HypnoVR, das Lösungen entwickelt, um den Arbeitsalltag von Anästhesisten und Hypnosetherapeuten zu erleichtern, werden die OP-Säle schon bald mit einem neuen Gerät ausgestattet sein, mit dem wohl niemand gerechnet hätte. „Die medizinische Hypnose existiert bereits seit 20 Jahren. Wir wissen, dass sie funktioniert, bei der Behandlung von Schmerzen und Angst von Nutzen ist, den Medikamentenbedarf für die Anästhesie sowie die Nebenwirkungen reduziert und den Genesungsprozess beschleunigt“, erklärt Nicolas Schaettel, einer der Gründer des Unternehmens HypnoVR.

Dieses Verfahren kommt in den Krankenhäusern immer häufiger zum Einsatz, jedoch mangelt es den gefragten Hypnosetherapeuten an ausreichend Zeit für ihre Patienten. HypnoVR wurde 2016 von zwei Anästhesisten und einem Unternehmer gegründet und bietet folgende Lösung an: Virtual-Reality-Software und -Brillen, durch welche sich der Hypnosetherapeut um mehrere Patienten gleichzeitig kümmern kann.

VR im Dienst der medizinischen Hypnose

„Wir würden am liebsten möglichst viele Patienten in den Genuss von Hypnose kommen lassen, da es ihnen wirklich gut tut“, erklärt Chloé Chauvin, Mitbegründerin des Start-ups, die selbst Anästhesistin ist und seit fünf Jahren Hypnose praktiziert. „Es handelt sich dabei jedoch um ein sehr zeitaufwendiges Verfahren: Wenn man eine Hypnosesitzung durchführt, kann man in dieser Zeit nichts anderes machen. Unsere Idee besteht deshalb darin, die multisensorische Isolierung des Patienten durch eine Virtual-Reality-Brille zu erleichtern.“ Der Patient taucht so in eine virtuelle Welt ein, die genauso wie die Sitzung mit dem Hypnosetherapeuten zum Entspannen einlädt. „Wir verwenden Technologie nicht einfach der Technologie wegen, sondern lösen damit ein konkretes Problem aus dem Arbeitsalltag des medizinischen Personals“, betont Nicolas Schaettel.

Zu diesem Zweck entwickelt das Straßburger Unternehmen, das derzeit fünf Personen beschäftigt und schon bald drei weitere Mitarbeiter einstellen wird, geeignete Softwareprogramme. Die Patienten, die unter Einsatz einer Virtual-Reality-Brille hypnotisiert werden, können zwischen drei visuellen Welten – Spaziergang durch die Berge, Strandlandschaft oder Meeresgrund – sowie dem gewünschten Klanguniversum und der bevorzugten Stimme wählen. Der Film, den man über die Brille sehen kann, ist wie eine Hypnosesitzung aufgebaut.

„Ich nutze das Headset jede Woche“, erklärt Chloé Chauvin, die im Straßburger Krankenhaus Hautepierre auf der pädiatrischen Station arbeitet. „Die virtuelle Realität schafft das gleiche Wohlbefinden wie die Hypnose durch einen Therapeuten. Der Vorteil besteht darin, dass die Brille auch im Nachhinein verwendet werden kann: zum Beispiel nach einem schmerzhaften Eingriff und auch um 22 Uhr abends, wenn ein Kind dies wünscht. Selbst wenn der Anästhesist nicht mehr da ist, kann man ein 20-minütiges Szenario starten, welches die Schmerzen für mehrere Stunden lindern wird“, fügt die Hypnosetherapeutin hinzu.

„Keine Wunderlösung“

Drei klinische Studien konnten bereits vielversprechende Ergebnisse für die Softwareprogramme von HypnoVR liefern. „Es müssen aber noch viele weitere Untersuchungen bzw. Studien zu dieser Thematik durchgeführt werden“, merken Chloé Chauvin und Denis Graff, der dritte Mitbegründer des Unternehmens, an. Jedes Jahr werden in Frankreich 12 Millionen Anästhesieverfahren durchgeführt. Die Verbreitung dieser Virtual-Reality-Brillen würde den Krankenhäusern Einsparungen durch die geringeren Kosten der Patientenaufenthalte und die reduzierte Menge der verwendeten Schmerzmittel ermöglichen. Außerdem würde sie den Weg zu einer höheren Anzahl an ambulanten Operationen bereiten.

Dennoch hat auch dieses System seine Grenzen und ist für einen abdominalchirurgischen oder einen schweren thoraxchirurgischen Eingriff nicht geeignet. „Es ist keine Wunderlösung und es handelt sich auch nicht um Showhypnose, auch wenn Messmer darin hervorragend ist“, lächelt Chloé Chauvin bei ihrer Anspielung auf den kanadischen Hypnosekünstler. „Dennoch ist die Virtual-Reality-Brille eine sehr interessante Ergänzung zur klassischen Ausstattung der Ärzte“, findet die Anästhesistin.

HypnoVR konnte ein Startkapital von 700.000 Euro aufbringen und beginnt derzeit mit dem Vertrieb seiner Softwareprogramme und VR-Brillen über ein Abo-System. Die Gespräche mit rund dreißig französischen Krankenhäusern sind bereits fortgeschritten. Das von Denis Graff, Chloé Chauvin und Nicolas Schaettel ins Leben gerufene Projekt könnte auch schon bald in andere Länder exportiert werden. Das Unternehmen wurde nämlich zur Teilnahme an der im Januar stattfindenden renommierten CES in Las Vegas eingeladen.

26/10/2018

Vollständiger Artikel:

https://www.sudouest.fr/2018/10/26/sante-les-casques-de-realite-virtuelle-entrent-au-bloc-operatoire-5514697-4696.php

https://www.boursedirect.fr/fr/actualites/categorie/sante/les-casques-de-realite-virtuelle-entrent-au-bloc-operatoire-afp-f9d517316058ea689d8fd76768ff64d899f6d7c2

https://www.ladepeche.fr/article/2018/10/28/2896688-les-casques-de-realite-virtuelle-entrent-au-bloc-operatoire.html

www.frenchweb.fr/le-strasbourgeois-hypnovr-fait-entrer-les-casques-de-realite-virtuelle-au-bloc-operatoire

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