Das Universitätsklinikum Rouen verwendet Hypnose im OP-Saal

Gesundheit. Seit 25 Jahren werden im Universitätsklinikum Rouen verschiedene Operationen unter Hypnose vorgenommen. Seit dem letzten Jahr wird diese Alternative zur Vollnarkose nun auch in der Varizenchirurgie angewendet. Für den Komfort von Patienten und Ärzten.

Philippe Weber sitzt mit seinem dunkelblauen Patientenkittel in einem Behandlungsraum der ambulanten Chirurgie des Krankenhauses Charles-Nicolle in Rouen. Er ist aus dem Großraum Paris angereist, um seine Krampfadern operieren zu lassen. „An beiden Beinen“, erklärt er, „was unmöglich gewesen wäre, wenn die Operation nicht unter Hypnose erfolgt wäre.“ Was ist mit Hypnose aber genau gemeint? Im Gegensatz zur Showhypnose handelt es sich bei medizinischer Hypnose um einen natürlichen Bewusstseinszustand, der es ermöglicht, diverse chirurgische Eingriffe ohne Vollnarkose durchzuführen. Die von einem geschulten Krankenpfleger oder Anästhesist vorgenommene Hypnose wird um eine örtliche Betäubung und eine leichte Sedierung ergänzt.

Der Patient kommt nicht liegend, sondern noch stehend in den OP-Bereich.

„Von Anfang an hat man mit mir über das Hypnoseverfahren gesprochen“, erzählt Philippe Weber. „Ich verstand den Zusammenhang erst gar nicht“, fügt er lächelnd hinzu. „Dann willigte ich aber schnell ein. Und wenn sich das Ärzteteam um mich kümmert, schlafe ich.“ Philippe ist anscheinend sehr empfänglich für Hypnose. Einige Minuten vor der Operation wird er von der Anästhesiepflegerin Agnès Jennat vorbereitet, die sich auch während des gesamten Eingriffs um ihn kümmern wird. Auf Initiative der Anästhesistin Delphine Provost schaffte es die Hypnose im Jahr 2015 in die OP-Säle des Universitätsklinikums Rouen.

Die Chirurgin schätzt, dass seit 2017 von den hundertfünfzig Patienten, denen auf der Gefäßchirurgiestation unter der Leitung von Dr. Didier Plissonnier die Krampfadern operiert wurden, 18 Prozent eine Hypnosedierung erhielten. Diese Zahl steigt kontinuierlich an und so wird Delphine Provost diese Technik auch anlässlich des am 5. Juni stattfindenden Tages zur Schmerzbekämpfung im Universitätsklinikum Rouen vorstellen.

Nach dem chirurgischen Eingriff bleibt Agnès Jennat noch eine Weile bei dem Patienten. „Wenn ich die Patienten frage, ob es für sie eine angenehme Erfahrung war, lächeln sie. Dann habe ich die Antwort.“

Ein fachübergreifender Einsatz

Seit mehr als 15 Jahren kommt Hypnose auf der schlafmedizinischen Station zum Einsatz. Die Ärzteteams erklären, dass Hypnose in der Rheumatologie „beruhigt“ und in der Suchtmedizin sowie für das Verdauungs-, Harnwegs- und Atemwegssystem eine „lindernde Wirkung“ hat. Bei einer Lungenspiegelung „besänftigt“ sie den Patienten.

Ein multiprofessionelles Team wendet Hypnose auf der Aufwachstation an. Auch in den OP-Sälen für Erwachsene und Kinder sowie in der ambulanten Chirurgie (Grauer Star, Ohrchirurgie, implantierbare Portsysteme) kommt sie zum Einsatz. Und inzwischen auch in der Varizenchirurgie.

 

Vorbereitung auf den Eingriff

Seit zwei Jahren bietet das Universitätsklinikum Rouen allen Patienten, die besonders große Angst vor einer Operation oder einem Krankenhausaufenthalt haben, einen Spezialtermin an.

Auf der „Mutter-Kind-Station“ wurden Psychologen, Hebammen, Ärzte, Anästhesisten, Krankenpflegerinnen und Pflegehelfer perfekt geschult, um Patienten jeden Alters durch Hypnose zu beruhigen.

Veröffentlicht am 29.05.2018 auf ParisNormandie.fr, von Patricia Buffet

Vollständiger Artikel: www.paris-normandie.fr/rouen/au-chu-de-rouen-l-hypnose

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