Le Point: HYPNOVR – Virtuelle Realität als Anästhesieverfahren

Le Point: HYPNOVR – Virtuelle Realität als Anästhesieverfahren
Jedes Jahr werden in Frankreich zwölf Millionen Allgemeinanästhesien (Vollnarkosen) durchgeführt. Ein Start-up bietet nun eine Alternative dazu: Hypnose in Verbindung mit virtueller Realität

Vergessen Sie das Bild von verschmutzten, nach Ether riechenden Räumen, das Sie mit herkömmlichen OP-Sälen verbinden. Mit einer Virtual-Reality-Brille auf den Augen können Sie Ihren Eingriff ab sofort an einem Sandstrand erleben und dabei den Klängen von Jazzmusik lauschen. Das Straßburger Start-up HypnoVR, das von zwei Anästhesisten, die auch als Hypnosetherapeuten tätig sind, und einem Experten für neue Technologien gegründet wurde, bietet Chirurgiepatienten an, in eine andere Welt ein- und abzutauchen. „Unser System ist medizinisch zertifiziert: Es bietet patientenindividuelle Hypnosesitzungen“, erklärt Nicolas Schaettel, Mitbegründer des jungen Unternehmens. „Der Arzt wählt dabei zwei Parameter aus: die Dauer der Sitzung und den passenden Hypnosetext für den Eingriff. Der Patient hat die Wahl zwischen drei Bilderwelten – einem traumhaften Strand, einem Tauchgang auf dem Meeresgrund oder einem Spaziergang durch die Bergwelt – sowie verschiedenen musikalischen Themen. Des Weiteren entscheidet er, ob er eine Frauenstimme oder eine Männerstimme hören möchte.“  

Diese sanfte Alternative zur Anästhesie konzentriert sich auf den Komfort der Patienten. Von den 12 Millionen Allgemeinanästhesien, die jedes Jahr in Frankreich durchgeführt werden, treten bei einem Drittel der Patienten Nebenwirkungen auf. Diese reichen von einfacher Übelkeit bis hin zu lebensgefährlichen Komplikationen, wie zum Beispiel Atemwegs- und Herzproblemen. Diese Risiken werden durch die hier vorgestellte nicht-medikamentöse Alternative verhindert, die auch in Bezug auf ihre Kosten überzeugt: „Die medizinische Hypnose durch virtuelle Realität reduziert das Stressempfinden und verringert den Bedarf an Schmerzmitteln, insbesondere an Morphinen. Sie verkürzt außerdem die Dauer des Krankenhausaufenthalts und beschleunigt die Genesung nach der Operation“, bestätigt das Unternehmen und folgert aus diesem Grund, dass „eine Anästhesie unter Hypnose je nach Art des Eingriffes Einsparungen in Höhe von 300 bis mehr als 1.000 Euro im Vergleich zur klassischen Anästhesie für die Gesundheitseinrichtungen und das Gesundheitssystem bedeutet.“

Eine Lösung für Anästhesisten mit einer Ausbildung zum Hypnosetherapeuten

Auch wenn eine Anästhesie nicht immer vermieden werden kann, so geht das Start-up davon aus, dass rund 6 Millionen Anästhesieverfahren durch Hypnose ersetzt werden könnten. Dies wäre für ein „sehr breites Spektrum an Eingriffen“ möglich, versichert Nicolas Schaettel. „Die erstmalige Nutzung unseres Systems in einem OP-Raum erfolgte mit den VR-Brillen Samsung Gear VR und Oculus Rift für das Einsetzen und Entfernen von implantierbaren Portsystemen bei Kindern. Später weiteten wir die Verwendung auf die Punktion von Eizellen bei künstlichen Befruchtungen sowie auf Zahnchirurgie, Darmspiegelungen, interventionelle Radiologie, Chemotherapie etc. aus. Dabei geht es nicht nur darum, die Patienten zu betäuben, sondern auch Schmerzen und Angst zu lindern.“ Durch diese zahlreichen Möglichkeiten kann HypnoVR die Universitätsklinik Straßburg, wo sein Produkt in acht verschiedenen Abteilungen genutzt wird, sowie das Institut Curie, das Krebszentrum Oscar Lambret, die Klinik Saint-Saulve und sogar ein Krankenhaus auf Mauritius zu seinen Kunden zählen. „Nachdem unsere ersten Kunden nun mit der Lösung ausgestattet sind und angesichts der zu Ende des Jahres erzielten Zinsmargen, dürfte sich unsere Entwicklung im ersten Quartal 2019 stark beschleunigen.“ 

Vollständiger Artikel: https://www.lepoint.fr/sante/hypnovr-l-anesthesie-en-realite-virtuelle-03-01-2019-2283189_40.php

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